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„Celina Dolgners Bachelorarbeit „Tragen“ widmet sich den Betroffenen sexualiserter Gewalt. In verschiedenen sozialen Netzwerken rief sie dazu auf, ihr die Kleidung zuzuschicken, die während eines Übergriffs getragen wurde und/oder die Geschichte dazu. Sie erhielt über 30 Nachrichten zu diesem Aufruf.

Identität: Opfer? Vergewaltigung ist das einzige Verbrechen, dass eine neue Identität aufzwingt. Schnell wird klar, dass viele der Betroffenen nicht über ihre Erlebnisse öffentlich sprechen möchten, um nicht auf das was ihnen Geschehen ist, reduziert zu werden, anders von ihrem Umfeld behandelt und wahrgenommen zu werden, ihr ganzes Leben lang.
Kleidung ist nur Kleidung. In dieser Arbeit wird sie, durch den Moment in dem sie getragen wurde, zu etwas Anderem, zu einem Material, das stellvertretend ein Portrait des Betroffenen abbildet. Sie wirkt auch als Zeitzeuge, denn sie ist das was nach der Tat übrig bleibt und macht das Geschehene greifbarer, realer. Durch die minimalistische Darstellung, wirken die Kleidungsstücke dennoch nur begleitend und geben den Geschichten genug Platz um zu wirken.
Die Arbeit zeigt die vielen verschiedenen Bereiche und Arten in denen sexualiserte Gewalt stattfindet, wie alltäglich und nah sie doch eigentlich ist.
Die Tatsachenberichte bleiben unverändert und zeigen durch die Art und Weise der Erzählung die Empfindung und den Umgang der Geschehnisse eines jeden einzelnen. Die Arbeit soll nicht als Plattform gesehen werden Opfer zu präsentieren, sondern den Betroffenen die Möglichkeit bieten eine Machtposition einzunehmen, frei von Scham und Veruteilung darüber zu sprechen und die Menschen ein neues Bewusstsein für diese Thematik entwickeln zu lassen. Sie steht der Entmündigung eines Opfer gegenüber, dass durch gesellschaftliche Ansichtsweisen vorgeschrieben bekommt was „richtige“ Vergewaltigungen sind und wie „richtige“ Opfer zu sein haben.“

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Acht

"Laut Wikipedia ist Vergewaltigung „nicht einverständliches, sexuell bestimmtes vaginales, anales oder orales Eindringen in den Körper einer anderen Person“.

Ich frage mich bis heute, 1,5 Jahre nach meinem Erlebnis, ob dies auf mich zu trifft, da ich meiner Meinung nach eine Mitschuld trage.

Letztes Jahr im Mai besuchte mich meine Freundin Vanessa. Wir wollten uns ein schönes Wochenende machen. Wir waren shoppen, haben Essen bestellt und natürlich wollten wir auch abends zusammen feiern gehen.

Ich war beim Vortrinken schnell beschwipst und kam auf die Idee, noch eine Freundin aus dem Studium und einen guten Freund von ihr (Sebastian) einzuladen. Meine Freundin hatte jedoch keine Zeit, sodass nur Sebastian kam. Das fand ich aber nicht schlimm, ich war schon öfter mit ihm feiern und wusste, mit ihm kann es nur ein guter, unterhaltsamer Abend werden. Er folgte meiner Einladung und brachte auch noch etwas zu trinken mit.

Wir drei verstanden uns super und zogen stark angetrunken in die Altstadt. Dort tranken wir weiter und ich spürte wie ich langsam meine Hemmungen verlor und mich zu Sebastian hingezogen fühlte. Wir gingen noch in einen Club und dort küsste er mich. Wir knutschten ziemlich viel rum, was aber für mich nicht bedeutete, dass auch noch mehr gehen würde. Eine Stunde später war ich so betrunken, dass ich einfach nur noch ins Bett wollte. Vanessa ging es ähnlich und wir beschlossen nach Hause zu laufen. Sebastian war verzweifelt, da er weit außerhalb wohnte und eine Stunde auf seinen Bus hätte warten müssen. In Absprache mit Vanessa beschlossen wir, ihm einen Schlafplatz anzubieten, mein Bett sei ja schließlich groß. So gingen wir zu mir.

Als wir bei mir ankamen, machte ich mich zuerst im Bad fertig, danach meine Freundin. So war ich mit Sebastian alleine im Zimmer. Er küsste mich und fasste mir an die Brüste. Ich schob seine Hand weg, lachte und sagte, dass mehr nicht gehen würde, meine Freundin wäre ja schließlich da. Aber selbst wenn Vanessa nicht da gewesen wäre, hätte ich nicht mehr gemacht, dass ist einfach nicht meine Art. Mehrmals fasste er mir in den Schritt oder an die Brüste und trotz meiner Versuche seine Hand wegzuschieben, tat er es immer wieder. Da kam auch meine Freundin schon wieder ins Zimmer. Ich war sehr dankbar, das sie da war, da er dadurch aufhörte. Sie legte sich an die Wand, Sebastian lag in der Mitte und ich rechts. Ich ging davon aus, dass wir jetzt einfach schlafen würden, aber es kam anders.

Obwohl Vanessa mit im Bett lag, versuchte er es weiter. Ich glaube ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so einsam und verloren gefühlt und das obwohl sogar zwei Menschen mit in meinem 15m² Zimmer, in meinem 1,40x2,00m Bett lagen. Ich war verzweifelt. Wieso habe ich nur so viel getrunken? Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich wollte nicht weiter von ihm berührt werden, ich wollte ihm nicht das geben was er wollte. Ich wollte aber auch keine große Szene machen. Ich fühlte mich so beschämt, auch vor Vanessa, die aber scheinbar schon fest schlief. Ich wollte Sebastian auch nicht verletzen in dem ich ihn abweise. Und dann tat ich das, was mich heute noch vor Ekel und Scham erschaudern lässt. Ich gab nach, ich ließ zu, dass er mit mir schlief.

In dem Moment fühlte ich nichts, einfach nur Leere. Mein Körper fühle sich nicht mehr nach meinem Körper an, er wurde plötzlich zu einem Objekt, zu einem Gegenstand, über den ich keine Kontrolle hatte. Ich kniff die Augen zusammen und hoffte, dass es schnell vorbei ist und dass Vanessa nichts davon mitbekommt.

Als es vorbei war, war ich einfach nur erleichtert, es überstanden zu haben. Ich schlief tatsächlich auch direkt ein und schaffte es nicht mal mehr mir den Slip hochzuziehen.

Am nächsten Morgen verabschiedete Sebastian sich schnell von uns und Vanessa erzählte mir, wie lustig sie den Abend fand und wie cool Sebastian sei. Ich war erleichtert, dass sie von all dem nichts mitbekommen hatte.

Seitdem habe ich keinen Kontakt mehr zu Sebastian. Ich sehe ihn zwar manchmal auf Partys von meiner Freundin aus dem Studium, aber mehr als ein ‚Hallo‘ wird nicht gesagt. Ich habe aber das Gefühl, dass er mich jedes Mal entschuldigend anschaut. Ich glaube er weiß, dass er Mist gebaut hat.

Darüber gesprochen, habe ich bisher nur mit einer Freundin. Sie ist noch nicht einmal eine besonders gute Freundin. Aber sie geht mit ihrem Sexleben sehr offen um und ich ging davon aus, dass ich ohne Scham mit ihr darüber reden kann. Außer ihrem Kommentar „Oh das ist ja richtig scheiße“, haben wir aber nicht weiter darüber geredet.

Seit dem Vorfall habe ich mit niemandem mehr geschlafen. Im Alltag komme ich mit den ganzen Geschehnissen sehr gut klar, ich bin auch ein Mensch der Dinge gut verdrängen kann. Wenn ich aber am Feiern bin, oder in eine Kneipe gehe und Alkohol fließt, merke ich häufig, dass ich aggressiv und zeitgleich todtraurig werde, wenn Männer mich berühren. Das machen diese teilweise unbeabsichtigt, da es zum Beispiel sehr voll ist und sie sich nur durch die Menschenmasse kämpfen wollen. Ich kann jedoch diese Berührungen kaum ertragen, rege mich total über die Typen auf und gehe dann weinend nach Hause.

Dennoch gebe ich mir eine Mitschuld an all dem was mir passiert ist. Ich habe Sebastian zu mir eingeladen, Ich habe mich freiwillig so betrunken, Ich habe ihm erlaubt bei mir zu schlafen und Ich habe ihm erlaubt, mit mir zu schlafen. Ich weiß dass viele Opfer von Vergewaltigung glauben, dass sie schuld sind, obwohl sie es nicht sind. Dennoch fühle ich mich schuldig"


"Zweiundzwanzig

Es gab da diese Person in meinem Freundeskreis, die unheimlich scharf auf mich war. Da ich das schnell bemerkt habe, habe ich sofort gegen gesteuert und immer wieder betont, dass es schön ist, dass man auch mit jemandem des anderen Geschlechts so gut befreundet sein kann. Trotzdem wurde nicht locker gelassen und ständig kamen neue Annährungsversuche, die ich ebenfalls immer wieder abgewiesen habe. An einem Abend waren wir auf der gleichen Party und ich wurde einfach komplett abgefüllt. Ich habe so gut wie keine Erinnerung an den Abend, am nächsten Tag bin ich nackt in ihrem Bett aufgewacht. Ich hab noch verschwommene Erinnerungen, dass sie auf mir saß und ich sagte sie soll von mir runter gehen und das ich keinen Sex will.

Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das eine Vergewaltigung war. Ich habe einfach so oft gehört, dass Männer keine Opfer und Frauen keine Täter sein können.

Als meine Freundin meinte wie ich die Situation bewerten würde, wenn die Geschlechter vertauscht gewesen wären, wäre die Situation für mich eindeutig ein sexueller Übergriff. So bin ich mir einfach nicht sicher."


Sechs

"Es ist mittlerweile ein paar Wochen her, als ich nach einem langen Arbeitstag nachhause kam - eigentlich wollten meine Freundin und ich noch weggehen, aber ich war so müde, dass ich mich nur auf die Couch legen und Essen bestellen wollte.

Ich bin dann also baden gegangen, hab mich in meinen kindischen aber kuscheligen Simba-Onesie geschmissen und habe mit meiner Freundin über eine dieser Apps bei unserem Stammitaliener bestellt.

Keine 30 Minuten später klingelte mein Handy, weil der Fahrer vor meiner alten Wohnung stand und verzweifelt meinen Namen an den Klingeln suchte.

Nach ein paar Späßchen, dass sie doch endlich mal die Adresse, die hinter meiner Telefonnummer hinterlegt ist ändern sollten, machte er sich dann auf den Weg und war kurze Zeit später da.

Wir wohnen in der fünften Etage ohne Aufzug also ist es selbstverständlich für uns, dass wir dem Lieferboten entgegenkommen, daher sagte meine Freundin an der Gegensprechanlage, dass sie eben das tut, aber der Herr (ungefähr Mitte 60) hat darauf bestanden, ganz hoch zu kommen.

Während ich also in meinem Onesie auf der Couch saß, hörte ich meine Freundin den Herrn nett begrüßen, ihn fragen, wo ich denn sei und schon stand er in unserem Wohnzimmer.

Ich bin höflich aufgestanden, hab mich für meinen Aufzug entschuldigt und habe ihm das Essen abgenommen. Als ich grade das Essen abgestellt hatte, hatte er auf einmal die Hand an dem Reißverschluss meines Onesies und zog ihn runter - ich muss nicht dazu erwähnen, dass ich nach dem Baden darunter komplett nackt war..

Nachdem ich den Reißverschluss wieder hochgezogen und ihn (noch relativ freundlich) angepampt habe, hat er es etwas aggressiver nochmal versucht - ich konnte aber zum Glück schnell abwehren. Von ihm folgte keine Entschuldigung, nur der Kommentar „lass einen alten Herrn wie mich doch auch mal gucken“!

Meine Freundin hat das ganze nicht wirklich mitbekommen, kam auf uns zu und gab ihm das Geld inkl. Trinkgeld, woraufhin er sich mehrfach bedankte und sagte, dass er jetzt beim Kiosk eine Flasche Wein holt, damit wir drei uns einen „schönen Abend“ zusammen machen können.

Glücklicherweise hat meine Freundin in dem Moment gecheckt, was los war und konnte ihm klar machen, dass wir das nicht wollen - ich konnte in dem Moment gar nichts mehr sagen.

Er hat dann unsere Wohnung verlassen, allerdings nicht ohne mich (die wie angewurzelt war) noch zu umarmen und mir dabei ordentlich an den Hintern zu fassen.

In den nächsten Tagen habe ich mehrfach Anrufe von einer (mir fremden) Handynummer erhalten, teilweise zu „seltsamen“ Zeiten wie Sonntagabend nach 22 Uhr.

Als ich am Montag doch neugierig war und ans Handy gegangen bin, als die Nummer wieder und wieder anrief, meldete sich dann „Antonio“ der Pizzabote..ich glaube ich habe ein Telefonat noch nie so schnell beendet und eine Nummer blockiert.

Was mich wirklich erschrocken hat, ist dass ich bis zu diesem „Telefonat“ tatsächlich darüber nachgedacht habe, dass er das ja vielleicht nicht so gemeint haben könnte, dass das ja vielleicht einfach ein Missverständnis war, dass ich vielleicht hätte besser reagieren müssen, dass meine Freundin vielleicht hätte früher einschreiten sollen und und und..

Am Ende ist das alles aber nicht der Fall, denn ER hat sich nicht richtig verhalten.

Seit diesem Montag, an dem dann klar war, dass der Herr mich nicht nur sexuell belästigt hat, sondern auch noch immer wieder Kontakt gesucht hat und teilweise wirklich Telefonterror gemacht hat (teilweise kamen 5 Anrufe in 3 Minuten), habe ich immer wieder Angst, wenn es unangekündigt an der Tür klingelt und ich nicht weiß, wer es sein könnte - und das macht mich tatsächlich unfassbar sauer, weil ich einfach keine Angst haben will."



Fünfundzwanzig

"Ich war damals ca. 2 Jahre alt und das ging so knapp ein halbes Jahr. Zum Glück habe ich aktiv keine Erinnerung mehr daran, nur nachts manchmal habe ich noch Alpträume, da kommen dann Bilder und nachts habe ich noch immer Angst und habe ein einziges Bild vor Augen: wie jemand mit einer Sturmhaube an meinem Bett steht, dieses Bild entspricht auch der Realität. Wenn meine Mutter geschlafen hat, kam mein Vater mit seiner Sturmhaube immer in mein Zimmer , mehr muss ich glaube ich nicht dazu sagen. Ich hab auch nichts gesagt, weil ich ja viel zu klein war, meine Mutter hat gesagt ich hab nachts mich aber immer geweigert ins Bett zu gehen und hab geweint und mich gewehrt aber sie hatte ja keine Ahnung.

Nach ca. einem halben Jahr hat er sich dann umgebracht und dann kam ich raus mit „Papa hat aua gemacht“. Man, ich könnte glaube ich noch 10 Seiten schreiben. Aber das ist so zusammengefasst meine Geschichte. Und obwohl das schon so lange her ist, wird diese „Narbe“ immer bluten, sowohl bei mir als auch bei meiner Mutter."


Zehn

"Mit 14 Jahren hatte ich meinen ersten richtigen, festen Freund. Wenn ich mich an die Geschichte zurück erinnere ist es eigentlich ziemlich kitschig: Es war Liebe auf den ersten Blick. Nachdem wir uns zum ersten Mal getroffen hatten, schrieben wir SMS, chatteten und telefonierten jeden Tag. Nach nur einer Woche waren wir zusammen. Ich war wirklich glücklich.

Die Probleme in der Schule wurden nicht weniger, aber ich hatte jemanden der mich mochte und den ich mochte und es lief einfach nur perfekt.

Natürlich war Sex dann auch ein Thema. Der erste Junge, der sich für mich interessiert hatte, hatte mir einen Korb gegeben, weil ich nicht mit ihm schlafen wollte. Also stand ich unter einem gewissen Druck, es endlich durchzuziehen - schließlich wollte ich nicht, dass mir das selbe Dilemma mit meiner ersten großen Liebe passiert. Das erste Mal war sogar schön.

Leider dauerte es nicht lange bis es das erste Mal kriselte. Mein Freund knutschte an meinem Geburtstag mit meiner besten Freundin. Er flirtete ständig mit anderen Mädchen aus unserem Bekanntenkreis, tauschte Nummern aus und traf sich mit einigen auch heimlich. Warum ich mich damals nicht getrennt habe, weiß ich bis heute nicht. Er hat sich nicht mal besonders angestrengt oder groß entschuldigt. Vielleicht hing ich zu sehr an ihm, weil der Großteil meines Lebens sich in der Schule abspielte, die für mich meistens eher die Hölle war und mit ihm endlich etwas wirklich Positives in meinem Leben passierte.

Ich war eine ganze Zeit lang untergewichtig und als mit ihm zusammen kam, setzte ich endlich ein paar Kilo mehr an. Meinem Freund gefiel das nicht. Er war der Meinung ich müsse abnehmen, ich sei ja ganz schön fett geworden. Mein neues Hobby belächelte er, machte sich drüber lustig und sagte mir stets wie schlecht ich in dem sei, was ich tat. (Fun Fact: Heute verdiene ich damit mein Geld.)

Mir verging die Lust auf Sex mit ihm. Das war ihm egal. Ein Nein konnte er immer mit überreden umgehen. Irgendwann machte er selbst das nicht mehr: über mein Nein wurde sich grundsätzlich hinweg gesetzt.

Wenn ich keinen Sex mit ihm wollte, trat er mich auch aus dem Bett. Wollte mich vor die Tür setzen.

Es kam immer und immer wieder zu solchen Situation. Die Gewalt kam häufiger. Selbst eine Wasserschlacht endete darin, dass er auf meinen Armen kniete, seine Hand fest meinen Hals umpackte und mir Wasser in die Nase laufen ließ. Ich bekam keine Luft mehr. Als ich danach einen totalen Zusammenbruch hatte und weinte, verdrehte er nur die Augen und sagte ich solle mich nicht so anstellen. Das war doch nur Spaß.

Was soll ich sagen? Ich habe keine Ahnung warum ich das Alles über mich hab ergehen lassen. Ich war jung und dumm und wusste es nicht besser? Das war die erste große Liebe und ich konnte noch überhaupt nicht definieren wie eine Beziehung auszusehen hatte. Dass es definitiv nicht so sein sollte, wusste ich wohl doch, denn sonst hätte ich vielleicht mal Jemandem erzählt, wie er mich behandelte. Vielleicht dachte ich, ich könne das Alles ertragen, weil ich ja wusste, dass er mich liebt.

Geliebt zu werden war wohl das wonach ich mich am meisten gesehnt hatte.

Nach zwei einhalb Jahren passierte das Beste was mir hätte passieren können: Er schlief mit einem Mädchen aus seiner Klasse und sagte mir er würde mich nicht mehr lieben. Er bereute es nach zwei Tagen und wollte mich zurück. Tatsächlich war das für mich der Punkt wo ich endlich einen Schlussstrich ziehen konnte.

Ich traf mich ein letztes Mal mit ihm um über alles zu reden und machte Schluss. Wie es kommen musste, wollte er auch hier mein Nein nicht akzeptieren. Er wollte ein letztes Mal Sex mit mir und riss mir die Klamotten runter. Es war ihm egal, dass ich immer und immer wieder sagte, dass ich es nicht wollte, wimmerte und weinte.

Selten habe ich mich so ekelhaft und benutzt gefühlt wie in diesem Moment. Das war nur der Höhepunkt, die Spitze des Berges. Ein Jahr lang habe ich so gut wie jeden Abend geweint. Aber: Ich war endlich frei.

Ich vermied Orte an denen er sich aufhielt. Hörte auf Musik zu hören und auf Konzerte zu gehen aus Angst er könnte da sein. Den Kontakt zu Menschen, die viel mit ihm zu tun hatten, beendete ich. Alles was ich tat war um so gut es ging zu verdrängen. Mein Hirn schützte mich vor vielen Sachen sogar gut, denn ich habe an diese Zeit ziemlich starke Erinnerungslücken. Bei vielem, wenn ich versuche mich zu erinnern, ist da nur ein Rauschen in meinem Kopf. Leere. Ich vermied sogar den Schlaf. Es gab Zeiten, da schlief ich nur einige Stunden. Schlafen bedeutete für mich Albträume und alles was mein Kopf so sorgsam weg packte am Tag, kam in der Nacht wieder zum Vorschein. Ich leide bis heute unter enormen Schlafstörungen. Es gibt kaum eine Nacht in der ich keine Albträume habe oder durchschlafe ohne Herzrasen aufzuwachen.

Ich konnte alles was passiert war nicht begreifen. In meiner Vorstellung spielte sich Vergewaltigung in dunklen Gassen ab mit Fremden. Das mein eigener Freund, den ich ja liebte, mir das an tat, konnte ich nicht begreifen. Es hat fast zehn Jahre gedauert, bis ich überhaupt erst begriffen habe, um was es sich dabei gehandelt hat. Einer meiner besten Freundinnen habe ich erst letzte Woche davon erzählt.

Hätten meine Freunde mich nicht zum psychiatrischen Notdienst geschleppt, würde es mich heute nicht mehr geben. Ohne Antidepressiva und Therapie wäre ich aufgeschmissen. Natürlich leide ich immer noch. Nichts wird das, was passiert ist, jemals ungeschehen machen. Aber es ist besser, ich weiß, dass ich mich auf die Zukunft freuen kann. Denn ich bin nicht mehr das hilflose junge Mädchen. Dieses unglaubliche Gefühl von Machtlosigkeit verschwindet. Und bin stetig auf dem Weg der Besserung: ich kann wieder lachen und genießen. Ich kann glücklich sein. Dieser Mensch wird nicht mit seinen Taten, den Rest meines Lebens bestimmen. So viel Herrschaft werde ich ihm niemals wieder einräumen."



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